Mittwoch, 6. Februar 2013

13 - Ein Tag in Ouro Preto

Mittwoch, der 6.2.2013
(von Timo Kübel)


Unser letzter freier Tag in Belo Horizonte begann ungewohnt früh im Vergleich zu den letzten Tagen. Bereits um 6:30Uhr klingelte der Wecker und um 7:30Uhr machten wir uns alle nach einer Dusche und einem reichhaltigem Frühstück, jedenfalls das, was Brasilianer unter einem reichhaltigen Frühstück verstehen, auf den Weg zum Busbahnhof. Alle? Nein! Leider ist der Krankheitsstand wieder bedenklich angestiegen und ein weiteres Opfer der brasilianischen Killerviren musste ambulant behandelt werden. Diesem Umstand geschuldet zog die Gruppe ohne Herrn Lippold und eine Kommilitonin los, während diese sich auf den Weg zum Krankenhaus machten.
Am Busbahnhof angekommen, fand unsere führerlose Gruppe nach kurzer Verwirrung den richtigen „Bussteig“ und die 2 stündige Reise konnte los gehen. Schon auf dem Weg nach Ouro Prêto verschlechterte sich das Wetter merklich. Kaum angekommen fing es auch schon an zu regnen, was nicht ungewöhnlich ist, da Ouro Prêto auf über 1.000m Höhe liegt und die Wolken oft von den umliegenden Bergen eingeschlossen werden.

Kleiner Geschichtsexkurs:
Ouro Prêto selbst ist eine der schönsten Kolonialstädte, die Brasilien zu bieten hat. Aufgrund dessen wurde sie auch 1980 das erste Weltkulturerbe Brasiliens. Der Name Ouro Prêto kommt aus dem portugiesischen und bedeutet soviel wie schwarzes Gold. Dieser Name weist auf die Vergangenheit der Stadt als Goldgräber-Metropole hin. Und auch heute wird noch in der Nähe Gold abgebaut. Die früheren glorreichen Zeiten der Stadt sind der Grund für den ebenfalls früheren Reichtum von Ouro Prêto. Die barocken Bauwerke, unter anderem die 23 Kirchen im nahen Umkreis des Zentrums, rühren ebenfalls aus dieser Zeit.

Trotz des mäßigen Wetters begannen wir die Stadt zu erkunden.  Kaum zweihundert Meter vom Busbahnhof entfernt, sahen wir das die Stadt nicht nur von Bergen umgeben ist, sondern auch aus Bergen und Hügeln besteht. Auf groben Kopfsteinpflaster ging es nun auf und ab zur unserem ersten Stopp dem Café „Chocolates Ouro Prêto“.  In diesem gönnten wir uns als zweites Frühstück mehrere Kaffeevariationen, Fruchtsäfte und verschiedene kleinere Gebäckköstlichkeiten. Frisch gestärkt schlenderten wir nun durch die kleinen Gassen der Kolonialstadt, durchstöberten etliche Souvenirshops und bewunderten die kunstvoll verzierten Bauwerke. Auf dem Markplatz des Zentrums ließen wir uns nieder und erfreuten uns an dem bunten Treiben auf den Straßen sowie den Vorbereitungen auf die kommenden Karnevalstage, es wurden Balustraden verziert und mehrere Bühnen und Tribünen aufgebaut. Danach ging es auf einen Markt für Kunsthandwerk auf dem verschiedene Händler ihre handgefertigten Waren anpriesen. Da das ganze Auf und Nieder stark an unseren Kräften zerrte, ließen wir uns nun zum Mittagessen im Restaurant „Café & Cia“ nieder.  Es gab typisch brasilianisch „por kilo“, was bedeutet, dass man sich an einem, in diesem Fall tatsächlich, sehr reichhaltigen Buffet zusammenstellt, was einem beliebt und dieses pro Gramm berechnet wird. Im Rahmen dieses köstlichen Mittagessens stießen dann auch wieder Herr Lippold und die glücklicherweise etwas genesene Kommilitonin zu unserer Gruppe und konnten mit uns sowohl das Essen wie auch die herrliche Aussicht der Dachterrasse auf Ouro Prêto genießen, da sich das Wetter deutlich verbessert hatte.

Danach machten sich die abenteuerlustige Gruppe auf zu einer alten Goldmine, die vor den Toren Ouro Prêtos liegt. Standesgemäß wurden wir in einer sehr alten Kabelbahn, die garantiert noch nie dem TÜV Rheinland vorgestellt worden ist, in den Stollen transportiert. Im Stollen befand sich unter anderem ein 2km breiter See mit kristallklarem Wasser, in dem man sogar hätte schwimmen gehen können. Im Anschluß machten wir uns im Stollen selber auf Entdeckungsreise und der ein oder andere fand noch ein Nugget Quarz oder Eisen. Gold konnten wir leider keines entdecken, auch wenn uns die Methoden der Goldsuche eindrucksvoll vermittelt worden sind.

Da sich der Nachmittag dem Ende neigte, machten wir uns wieder auf den Weg zum Busbahnhof, um unsere zweistündige Heimreise zu bestreiten.

Am Hotel angekommen reichten unsere Kräfte gerade noch so, um ein Stück Pizza und ein bis zwei Zwischenbiere an der Snackbar der nächsten Ecke einzunehmen, bevor es dann für alle früh zu Bett ging, da der Wecker am nächsten morgen wieder früh klingeln sollte.

(Timo Kübel)








12 - Erster Tag in Belo Horizonte

Dienstag, der 5.2.2013
(von Roberto Oddo)

Belo Horizonte

Liebes Tagebuch, die gestrige Nacht im Hotel Sao Bento habe ich tief und fest geschlafen. Das lag daran, dass wir Premium Zimmer bekommen haben (Klima, Kühlschrank, Telefon, Fön, Seife, LED-TV etc.) Obwohl wir ausschlafen durften (purer Luxus), hatte ich meinen 7:00 Uhr steh-auf-Rhythmus. Das Frühstück im 2. Stockwerk war eine willkommende Abwechslung -
Milchbrötchen, I Love it!

Nach dem Frühstück sind Herr Lippold, Muzzi und meine Wenigkeit erstmal Geld wechseln gegangen, die nächste Wechselstube befand sich in der Shoppingmall. Der Mitarbeiter der Wechselstube sah nicht gerade kompetent aus, dies haben wir dann auch direkt zu spüren bekommen. Zum Glück sas er hinter einer Panzerscheibe, es wurde jeder Schein sorgfältig und penibel überprüft ( denn die brasilianische  DIN4711 besagt: keine Falten, Risse und Eselsohren auf europäischen Scheinen). Als er uns am Ende dann noch den Wechselkurs von 2.55 Reais genannt hat, hat Herr Lippold verständlicherweise kurzerhand alles abgebrochen. In der Hoffnung, dass wir einen besseren Kurs bekommen, sind wir weiter zur Banka do Brasil gezogen. Diese besaß zwar ein Cambio-Schalter (mit einem unglaublichen Wechselkurs von 2,78 Reais), jedoch durfte dieser nur von Einheimischen genutzt werden. Letztendlich sind wir, wie auch vom Reiseführer empfohlen, in einem Reisebüro gelandet und haben dort für einen Wechselkurs von 2,67 Reais unser Geld gewechselt.

Mit Taschen voller Geld ging es dann zum Busbahnhof, wir brauchten Tickets für die Busfahrt nach Oro preto und Rio de Janeiro. Auch das erwies sich als Abenteuer. Ich fasse mich kurz, da ich sonst einen Roman schreiben würde: Ab zum Ticketschalter und dann fing der Spaß erst richtig an: Kommunikationsprobleme vom Feinsten (16 Personen hin und nur 8 zurück, öhhhh?!?; Nein ich  möchte auch keinen Bus kaufen; Kreditkartenzahlung nicht möglich; Wie oft soll ich noch zahlen?; Der neuste EPSON Nadeldrucker gab seinen Geist auf; etc... Nachdem wir zwei Stunden im Busbahnhof verbracht haben, konnten wir endlich Happy End sagen:-)

Nachmittags ging's dann in die Stadt.
Muzzi traf die Liebe seines Lebens, sie stand am Eingang des Parque Municipal. Für Muzzi war es Liebe auf den ersten Blick......Muzzi`s gedanken sahen wie folgt aus:
I saw an angel.....My love is pure....you`re beautiful.....you`re beautiful....its true.
    
Ein Ziel was wir vor Augen hatten, ist das berühmte Café von Frau Bondan, ein schweizerdeutsches Caféhaus, wo wir  herzlich empfangen wurden und gratis Kekse und Schokolade probieren durften. Wenn man dieses Café betritt, verfällt man in Nostalgie, weil hier alles in feinster Handarbeit gefertigt wird und die Einrichtung einfach aber trotzdem chick ist. Nach etlichen Fotos saßen wir am Tisch und tranken den beste Kaffee der Stadt, dazu gabs natürlich hausgemachte, sehr leckere Kekse.
Zitat Muzzi: "Das Café hätte auch in Köln-Ehrenfeld sein können." 



Roberto Oddo

Dienstag, 5. Februar 2013

11 - A long way to Belo Horizonte

Montag, der 4.2.2013
(von Christian Pfefferkorn)

Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da. Habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar.
Wenn ein Tag so wunderschön beginnt ist alles drin. Heute bleibt die Dusche kalt, das Wasser ist hin.
Am frühen morgen, noch schläfrig und verträumt, glauben wir alle für einen kurzen Augenblick, dass die bisherige Busfahrt nach Belo Horizonte nur ein schlechter Traum gewesen ist.

Dieser Moment sollte nur von kurzer Dauer sein, als plötzlich das Rad unseres „Dreamliner“ von einem dieser „schwarzen Löcher“ auf der Straße magisch angesogen und verschluckt wurde.
Es ist 7:00 Uhr...kurz durchgerüttelt und die Truppe ist auch schon wieder hellwach, wenn sie den teilweise nicht ins SchleuderTRAUMa zurückgefallen ist! Auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat uns die Realität auch schon wieder eingeholt. Es erwarten uns noch 10 aufregende Stunden im „Dreamliner“! Ein kurzer Blick in die Runde verrät, dass mit viel Interpretationsgabe hier und da ein Funken Vorfreude zu erkennen ist.

Zu diesem Zeitpunkt fehlt jedoch noch ein geeignetes Mittel, welches für ein Überspringen der Funken (Vorfreude) sorgen könnte. Das ist insbesondere dann ganz schwer, wenn die nötige Sauerstoff (bei dem ein oder anderen „Brandbeschleuniger“) Zufuhr ausbleibt. Der Busfahrer ist dennoch stets bemüht gewesen. Wenn man in die versteinerten Gesichter schaut, muss dies wohl auch der Grund dafür sein, dass man einfach nicht das Gefühl los wird, in der zurückliegenden Nacht aufgrund des Sauerstoffmangels in Ohnmacht gefallen zu sein.

Glücklicherweise war da dieses eine „schwarze Loch“, welches uns reanimiert haben muss.
Mittlerweile haben wir uns mit den Schlaglöchern arrangiert. Allein der Gedanke, dass viele kleine „schwarze Löcher“ das Gefühl vermitteln in einem Massagesessel zu sitzen, ist Erleichterung genug. Außerdem wird das inzwischen sehr müde Sitzfleisch in Bewegung gehalten, von Samba Rhythmen kann jedoch noch nicht die Rede sein. Auf einer Beautyfarm würde das sicherlich richtig viel Geld kosten, hier erhalten wir es als Leistung inklusive.

Gegen Mittag erreichten wir die Busbahnstation des Busunternehmens, wo dem Bus eine Dusche verpasst wurde. Nach mittlerweile  20 Stunden Busfahrt hätten wir gerne getauscht. Bei der Ausfahrt aus der Station fällt uns ein Haufen verkohlter Koffer ins Auge. Über die Ursache möchten wir uns lieber keine genaueren Vorstellungen machen. In der Hoffnung selber nicht den „Highway to Hell“ zu wählen, setzten wir unsere Reise fort.

Nachdem wir den Zuckerrohr-und Maisfeldern beim Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen zu schauen durften und über mögliche Verwendungszwecke derer phylosovierten sind die letzten 6 Stunden dann doch irgendwie wie im Fluge vergangen. Gegen 18:00 Uhr erreichen wir unser Ziel, Belo Horizonte. Belo Horizonte ist die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Geranis und liegt im Südosten des Landes. Beim Erreichen des Busbahnhofes sind wir von der Lebendigkeit der Stadt überrascht und zugleich überzeugt, dass wir hier tolle und aufregende Tage erleben werden.

Blitzartig konnte man auch wieder die schon längst vergessene Vorfreude auf die kommenden Tage deutlich spüren. Da unser Hotel nur einen Katzensprung vom Busbahnhof entfernt liegt, musste nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, so dass wir uns zu Fuss in Bewegung gesetzt haben. Dicht an dicht, wie an einer Perlenkette aufgezogen, zogen wir durch das Getümmel der total überfüllten Stadt. Direkt zu Beginn wurden wir vor einem Elektrofachhandel zu den Klängen von James Brown „...like a sex machine“ begrüsst, welche unüberhörbar über die gesamte Straße schallten. In Deutschland wäre wohl sofort das Ordnungsamt zur Stelle gewesen, hier ist die Beschallung der Nachbarschaft nichts ungewöhnliches. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens würde dies ohnehin nicht auffallen. Gefreut haben wir uns dennoch, obwohl wir uns nach einer 26 stündigen Busfahrt nicht unbedingt „like a sex machine“ gefühlt haben.

Kurz darauf haben wir dann auch das lang ersehnte Ziel erreicht. Das Hotel Sao Bento. Der Eingangsbereich konnte uns zunächst nicht wirklich überzeugen, dafür aber die Zimmer umso mehr.
Die Neugier auf die neue Umgebung ist so groß gewesen, dass wir uns trotz Erschöpfung nach einer halben Stunde bereits auf den Weg in die Stadt machten, um anschließend zu Essen. Hierbei wurden wir von einem offiziellen Alleinunterhalter begleitet, welcher uns mit seiner Live – Musik das Essen noch schmackhafter machte. Dieser wiederrum wurde von zwei Einheimischen Fans lautstark unterstützt, wobei man über deren Fähigkeiten und Zustand streiten konnte. Wir bedankten uns dennoch mit Händen und Füssen und zogen weiter. Im Getümmel ging uns dann noch eine Person verloren. Auf der Suche nach dieser Person führte uns unser Gespür in eine naheliegende Lokalität. Hier nahmen wir dann gemeinsam noch einige Verdauungssäfte zu uns, bevor es dann mit den ersten Eindrücken doch ziemlich schnell für alle ins Bett ging.
Dieses mal hoffentlich ohne Alptraum.

Christian Pfefferkorn

Sonntag, 3. Februar 2013

10 - Drei Länder in zwei Tagen? Kein Problem für uns Weltenbummler

Sonntag, der 3.2.2013
(von Julia Gentsch und Muzaffer Gül)

ohne Worte

Während einige schon tief und fest dem Land der Träume innewohnten, war der harte Kern dabei zu zocken. Einsatz: Bier, Zuckerrohrschnaps und Hustensaft. Bis früh in die Morgenstunde wurde Runde um Runde gespielt. Der Verlierer musste zu einem der Einsatzmittel greifen und diesen vernichten. Die ganz harten griffen natürlich zum Hustensaft! Die weniger harten (dessen Namen wir aus Notengebungsgründen nicht nennen wollen) spielten um Bier und dachten sich wilde Verschwörungsstrategien aus. So soll sich Italien mit Deutschland verbündet haben, um zu betuppen. Zum Glück hat die türkische Fraktion die Wogen geglättet und größere Ausschreitungen verhindert. So konnte die Partie UNO doch noch in Frieden beendet werden.

Nach einem ausgiebigen Frühstück teilte sich die Gruppe auf. Während die einen einem entspannten Tag am Pool entgegensehnten, brachen andere zur geheimen Mission nach Paraguay nach Ciudad del Este, Stadt des Ostens auf. Die über den Fluss liegende Brücke Puente de la Amistad/Ponte de Amizade (Brücke der Freundschaft), stellt das Verbindungsglied zwischen Ciudad del Este und dem brasilianische Foz do Iguacu dar. Als Touristen getarnt galt es, Land und Leute kennenzulernen. Und tatsächlich, wer hätte es gedacht, aber der harte, jahrelange Schauspielunterricht hat Früchte getragen und wir wurden nicht enttarnt. Obwohl es ein hartes Stück Arbeit war, da wir zum Schluss von 2 Personen verfolgt worden sind, die unsere Tarnung beinahe auffliegen lassen haben.
Vorher konnten wir allerdings unbemerkt eine Kirche und die Dorfkirmes entdecken. Während die einen fasziniert von den Gerätschaften waren, die sicher noch von der DDR stammten,



waren die anderen von den Gerätschaften der Schaustellerinnen begeistert



In dieser Hinsicht hatte Paraguay einiges zu bieten. Auch die Mädels beim Marathonlauf, konnten sich sehen lassen:

 Fötchensföhler in Paraguay

Erschreckend hingegen waren die Unterschiede zwischen Brasilien und Paraguay und das, wo die beiden Grenzstädte nur 15Min. durch eine Brücke getrennt auseinander liegen:

links "Ordem e Progresso", rechts "Chaos und ..."

Während in Brasilien noch einigermaßen Recht und Ordnung herrschten, war die Infrastruktur in Paraguay nur erschreckend. Alles heruntergekommen und kaputt. Und mitten drin nur fette Autos – Porsche, nagelneue BMW’s, Mercedes, etc. Wir haben uns die Frage gestellt, womit die Besitzer wohl ihr Geld verdienen mögen und weiter als mit Zuhälterei, Drogen- oder Waffenhehlerei sind wir nicht gekommen.


Das mit unter prägendste Bild, nach den mit Kalaschnikovs ausgestatten Polizisten an jeder Ecke, war ein Kleinkind, was mit einer ungeladenen Handschußwaffe am Spielen war.
Generell fühlte sich die gesamte Gruppe in Paraguay deutlich unwohler als in Brasilien, wodurch die Kommilitonin gleich zu Anfang die anderen Kommilitonen als Bodyguards abgestellt bekommen hatte.


So konnten alle unbeschadet wieder auf die andere Seite der Brücke gelangen, aber natürlich nicht ohne sich ein Zwischenbierchen zu genehmigen.




Die Busfahrt des Grauens

Der Tag endete deutlich unerfreulicher. Uns bestand die 26Std. Busfahrt nach Belo bevor. Und direkt zu Beginn sollten sich die Befürchtungen verschlimmern. Mit einer Wage ausgestattet kontrollierte das Buspersonal jedes Gepäckstück. Erlaubt waren 30kg und 5kg Handgepäck. Bei 30°C hatte sich jeder ausreichend mit Wasserflaschen  und Lebensmitteln eingedeckt, sodass das Handgepäckvolumen sofort gesprengt war. Es galt umzupacken, Klamotten anzuziehen und Wasserflaschen auszusortieren.
Zum Glück sind wir eine große Gruppe und konnten das  Buspersonal mit ihren eigenen Mittel austricksen. Sobald das Handgepäck abgewogen und gekennzeichnet worden ist, wurden die Wasserflaschen hinter den noch wartenden Kommilitonen wieder ins Handgepäck gepackt oder beim reingehen unter Jacken reingeschmuggelt. Der Rest der Busfahrt sollte noch viel schlimmer werden....
Beinfreiheit? Sauerstoff? Luft? Was ist das? Fremdwörter für dieses Busunternehmen. Während andere noch mit schwarzem Humor in der ersten Pause sagten, die Fahrt sei sportlich, fehlten anderen jegliche Worte.
Schmuddelige Sitze, halb abgefallene Lüftungsgitter und Unmengen an Mücken zeichneten die Fahrt aus.
Autobahnen? Kosten nur Maut! Ausgebaute Feldwege tun es doch auch! So holperten wir in einem schlecht gelüfteten Bus auf in Richtung Belo.

Der einzige Lichtblick für viele war das W-Lan bei der ersten Raststätte.


 

Julia Gentsch und Muzaffer Gül

Samstag, 2. Februar 2013

9 - Wasserkraft und Wasserfälle

Samstag, der 2.2.2013
(von Simone Stahr)



 Gestartet wurde der Tag  zunächst mit einem einfachen aber sehr leckeren Frühstück inklusive diverser Fruchtsäfte und Kuchen.
Frisch gestärkt machten wir uns mit einem Minivan (15 Sitzplätze plus Fahrer... für 16 Teilnehmer? Funktioniert!) auf den Weg zum naheliegenden Kraftwerk Itaipu. Hier stand eine technische Führung durch das größte Wasserkraftwerk der Welt an.  Nach kurzem Einführungsvideo ging es an den spannenden Teil und uns wurde aus dem Bus heraus ein erster eindrucksvoller Blick auf die Ausmaße dieses Bauwerkes gewährt. Zum Bedauern aller waren jedoch die Überlaufschleusen der Staumauer an diesem Tag nicht geöffnet. Für diese Jahreszeit (Regenzeit) untypisch hat es die letzten 30Tage kaum geregnet, sodass der Stausee zu wenig Wasser aufweist.
 








Es folgte eine Überfahrt über die Staumauer mit kurzem Stopp, damit auch ja die obligatorische Foto-Session gemacht werden konnte. Dann ging es zum Herzstück der Anlage, in der Generatorhalle wurden uns Unmengen technischer Details des Kraftwerks vermittelt. Der Fluss Iguassu teilt die Länder Brasilien und Paraquay, beide Länder betreiben gemeinsam dieses Kraftwerk in Kooperation, wobei alles genau 50:50 aufgeteilt wird.  Unglücklicherweise weisen beide Länder leicht voneinander abweichende  Bevölkerungszahlen und damit Strombedarfe auf, so dass ein Großteil der für Paraquay produzierten 50% des Stroms zunächst vertraglich korrekt auf die paraquayanischen Seite geliefert wird, danach aber zurück nach Brasilien geht, da Paraquay gar nicht den gesamten Strom abnehmen kann. Mit diesem Kraftwerk (es hält den Weltrekord!) werden die gesamten Großmetropolen um Sao Paulo, Rio de Janeiro etc. mit Strom versorgt (Über 90% des in Iguassu erzeugten Stroms bedienen 18% des Strombedarfs in Brasilien).

Nachdem gestern bereits die brasilianische Seite der Iguassu-Wasserfälle erkundet worden war, ging es nun weiter mit dem Minivan auf die argentinische Seite. An der Grenze wurden unsere Reisepässe zur Erweiterung der Stempelsammlung vom Fahrer eingesammelt und einfach von ihm zum Einwanderungsbehörde zum Stempeln abgegeben. Somit gab es zu unserem Erstaunen keinerlei Abgleich ob die angegebenen Personen aus dem Pass überhaupt mit den Insassen übereinstimmen oder vielleicht die Gesamtzahl eine Differenz aufweist.

An der argentinischen Seite des Nationalparks Iguassu angekommen, zeigte sich schnell ein touristisch größer als in Brasilien ausgebautes Areal zur Besichtigung der Wasserfälle. So bringt eine alte Eisenbahn mit Holzbänken die Touristen von A nach B. Wie von vielen empfohlen bietet die argentinische Seite an vielen Stellen gigantische Ausblicke auf die auf mehrere Kilometer verteilten unzähligen Wasserfälle.





Atemberaubende Ausblicke inklusive natürlicher Komplettduschen auf den Aussichtsplattformen in der riesigen Gischt können die Bilder sicherlich nur begrenzt wiedergeben.
So wurde gefilmt und fotografiert was die Akkus hergeben und jeder genoss die kleinen „Wanderungen“ durch den Regenwald mit dem immer vorhandenen Panorama der Wasserfälle.
Beim abschließenden Warten zur Rückfahrt mit der Eisenbahn zum Eingangsbereich gesellten sich einige Nasenbären dazu, um dem ein oder anderen sein Eis oder Getränk streitig zu machen – mit Dreistheit und Erfolg!



Die Grenze nach Brasilien wurde an der Einwanderungsbehörde wie zuvor mit pingeligster Genauigkeit im Schnelldurchlauf passiert und schon war der Tag verflogen. Da nach so vielen Eindrücken natürlich der Magen knurrte sind ein paar direkt zum Supermarkt und andere warfen den Grill an. So folgte wiederum ein gemütliches Grillen mit reichlich Kalorien und natürlich der üblichen Flüssignahrung. In Kombination mit den einfachen, klassischen Kartenspielen kann dies doch reichlich unterhaltsam sein,  sodass die Zockergruppe erst mit Beseitigung der letzten Tropfen  bereit war den Tag zu beenden.

Simone Stahr

Freitag, 1. Februar 2013

8 - Happy Birthday Muzzi

Freitag, der 1.2.2013
(von Daniela Erger und Tobias Günther) 

Wir schreiben den 01.02.2013, 0:00 Uhr und auch, wenn es erst zum zweiten Mal ist, dass er mitfährt, so ist es doch schon eine Tradition geworden, an diesem Tag Muzzis Geburtstag zu feiern. Just in Time legt der Fahrer eine kurze Pause ein, so dass wir alle gratulieren können. Dank seiner nun 36 Jahre Lebenserfahrung hatte er genug Zeit, auf den heutigen Tag hinzusparen, hierzu aber später mehr.

Nach einer kurzen Rast geht es weiter in Richtung Iguacu, es liegen noch etwa zwölf Stunden Busfahrt vor uns. Die Sitze in Liegeposition gebracht, verbringen wir die Nacht größten Teils schlafender Weise, bevor der beißende Geruch der, nennen wir es Sanitären Einrichtung, zumindest die hinteren Reihen aus den Träumen reißt. Gegen zwölf Uhr, mit zweistündiger Verspätung, erreichen wir schließlich Iguacu. Auch das Wetter hat eine deutliche Wendung hingelegt, so dass uns eine sehr angenehme Hitze in Empfang nimmt.

Am Hotel angekommen sind wir froh, dass der erste Eindruck nicht bestätigt wurde. Es erwarten uns geräumige und saubere Zimmer, ein Pool und eine sehr schön angelegte Urlaubslandschaft, in der wir die nächsten Tage in Vierbettzimmern verbringen. In Vierbettzimmern? Nicht mit Shamie! Kurzer Hand werden aus einem Vierbettzimmer zwei Doppelzimmer gemacht, wir kommentieren es passend mit: Kurt Beck!



Nach einer kurzen Erfrischung im Pool und/oder unter der Dusche machen wir uns wieder auf den Weg, es ist ja keine Pussytour! Wir wollen die Iguacu-Wasserfälle im brasilianischen Park erkunden. Während sich manche für die, der Meinung der Autoren nach, eher langweilige Variante der Entdeckung entscheiden, tritt der größere Teil der Gruppe die Reise direkt unter die Wasserfälle im Boot an. Mit ordentlich Leistung geht es durch die Strömung, immer quer zur Welle, direkt an die Wasserfälle, wo alle Patschnass werden. Spätestens jetzt sind alle beißenden Gerüche der langen Anreise verflogen. Ein einmaliges Erlebnis, welches neben zahlreichen Fotos, auch auf einem Video festgehalten wurde!






Mit diesem Erlebnis haben alle zum ersten Mal, seit der Ankunft in Brasilien, das Gefühl, im Urlaub zu sein. Da der Häuptling noch von seinem Pullmollkonsum geschwächt ist, sind die Zwischenbiere auf dieser Fahrt bisher eher rar.  Wieder am Hotel angekommen, machen sich sowohl Fleischfresser, wie auch Vegetarier auf den Weg zum Supermarkt, wo ordentlich eingekauft wird, damit am Abend endlich mal alle die Goschen füllen und damit halten (so war zumindest der Plan). Mit 70 Dosen Bier und viel Essen machen wir uns einen gemütlichen Abend. Hierbei ist besonders zu erwähnen: Anlässlich seines Geburtstages hat Muzzi uns alle eingeladen. In diesem Sinne nochmal von Allen ein herzliches Dankeschön und alles Gute!!!




So nimmt der Abend nach und nach, Bier für Bier sein Ende. Zu später Stunde erliegt der Organisator, welcher seit 18:00 Uhr wieder Alkohol trinken darf, seinen körperlichen Gebrechen und schläft nach einigem Hin und Her zwischen Grillstelle und dem Zimmer auf der Holzbank im Freien ein, bevor er dann doch den Weg ins Bett findet.

7 - Bye Bye Itajuba

Donnerstag, der 31.1.2013
(von Ines Jahrmarcht und Dominik Waldmann)


Auch heute hat sich die brasilianische Spontanität wieder durchgesetzt. Statt eines entspannten Vormittags, den wir wahrscheinlich mit Ausschlafen vergeudet hätten, waren wir in der glücklichen Lage eine weitere Firma besuchen zu dürfen.
Somit fanden wir uns alle gegen kurz nach 7 Uhr zum Frühstück im Hotel zusammen, um dann um 08.00 nach Stabilus, dem Weltmarktführer für Gasdruckfedern, aufzubrechen.


Bei Stabilus erwartete uns der Werksleiter und einer seiner Mitarbeiter, die uns nach einer kurzen Präsentation des Unternehmens in die Fertigung führten und in die Geheimnisse der Gasdruckfeder-Produktion einweihten.



Nach der Besichtigung, nahm sich der Werksleiter noch Zeit um uns die Augen zu öffnen und die wirtschaftliche Situation für Unternehmen in Brasilien und die besonderen Herausforderungen zu erklären

Um ca. 11.30 Uhr wurden wir wieder ins Hotel gebracht um dann,  abgesehen von einer kurzen 2,5 stündigen Unterbrechung in Sao Paulo nach Foz de Iguacu durchzustarten.
Die Strecke bis Sao Paulo legten wir in einem kleinen, extra von uns angemieteten Bus, zurück. Dort erwartete uns dann ein Reisebus der neusten Generation, vor dessen Komfort und Beinfreiheit die meisten Busse in Deutschland vor Neid erblassen würden.


Jetzt steht die Uhr bei kurz vor 23.00 (brasilianischer Zeit) und wir lassen den Abend ruhig auf unseren komfortablen Plätzen ausklingen. Von rechts und links ist schon das erste schwere Atmen zu hören während der Bus uns unermüdlich ins gute Wetter bringt.

Ines Jahrmarcht und Dominik Waldmann